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„Hilf mir, es selbst zu tun“ – Lernen mit Maria Montessori

Kinder fangen mit ihrem ersten Atemzug an zu lernen. Mit erstaunlicher Energie und Neugier lassen sie sich von der Welt faszinieren, sammeln Eindrücke und entdecken mit allen Sinnen ihre Umgebung. Im Kindergartenalter wollen Kinder dann alles machen wie die Großen – Tisch decken, Getränke einschenken, Brote streichen, basteln, malen oder lesen. Schnell folgen erste Zählversuche und die Einschätzung von Mengen. Auch die Welt der Buchstaben, Symbole und Zeichen fesselt viele Kinder im Vorschulalter.

Lernen ist ein angeborener Reflex, der uns vom ersten Tag an innewohnt. Die italienische Pädagogin Maria Montessori nannte Kinder „Baumeister ihrer selbst“. Sie war eine der ersten, die entdeckte, wie wichtig Anregungen und Sinneseindrücke für Kinder sind. Bis heute werden ihre revolutionären Methoden und Materialien in Kindergärten und Schulen angewandt, um den Forscherdrang der Kinder „Futter“ zu bieten. Auch der Schwaiger Kindergarten „Unterm Regenbogen“ arbeitet mit Montessori-Materialien. Bei zwei Elternabenden lernten die Eltern nun die Grundlagen der pädagogischen Arbeit nach Maria Montessori kennen.

Die Tochter eines Finanzbeamten wurde Ende des 19. Jahrhunderts geboren und als erste Frau Italiens zum Medizinstudium zugelassen. Als junge Ärztin arbeitete sie mit geistig behinderten und entwicklungsverzögerten Kindern, die damals keinerlei Förderung erfuhren. Durch ihre Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit erfand sie eigene Sinnes- und Lernmaterialien, mit denen die von ihr betreuten Kinder erstaunliche Fortschritte machten. Später betreute sie mehrere Kinderhäuser, studierte Erziehungswissenschaften und entwickelte eine völlig neue Pädagogik.

Die Montessori-Pädagogik setzt nicht auf theoretisches Lernen und passives Erklärtbekommen, sondern auf das aktive Erleben und Erfahren. Mit Schüttmaterialien lernen die Kinder mit Kieseln, Reis, Sand und schließlich Wasser die zielgenaue Koordination beim Einschenken von Flüssigkeiten. Geruchsgläschen, Fühlbrettchen und Geräuschdosen schärfen die Sinne. Farbkärtchen mit Grund- und Mischtönen laden in die Welt der Farben ein. Die „braune Treppe“ und der „rosa Turm“ wecken die Neugier und fördern die Wahrnehmung von Regelmäßigkeiten und Strukturen. Die roten und blauroten Stangen unterstützen die Längenwahrnehmung, mit Einsatzzylindern trainieren die Kinder ihre feinmotorischen Fähigkeiten. Jedes Angebot besitzt eine eingebaute Fehlerkontrolle, sodass die Kinder die Materialien selbstständig entdecken, erfahren und verstehen können.

In Gruppen- und Einzelübungen führen die Erzieherinnen die Materialien vor, erläutern die Fehlerkontrollen und stehen den Kindern beim selbstständigen Entdecken zur Seite. Beide Gruppenleiterinnen im Kindergarten „Unterm Regenbogen“ sind ausgebildete Montessori-Pädagoginnen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht eine zentrale Erkenntnis der Lernforschung: Am nachhaltigsten und erfolgreichsten lernen wir, wenn wir Dinge selbst erarbeiten, ausprobieren und tun. Oder, um es mit Konfuzius zu sagen: „Erkläre mir, und ich vergesse. Zeige mir, und ich erinnere mich. Lass es mich tun, und ich verstehe.“